Die Sammlung des Museums des Zentrums der Islamischen Zivilisation in Usbekistan wurde durch eine seltene Handschrift des Naqschbandi-Sufi-Ordens aus dem 17.-18. Jahrhundert erweitert. Darüber berichtet die Pressestelle des Zentrums.
Das Artefakt wurde in Großbritannien erworben – in der Galerie David Aaron, die auf islamische Kunst spezialisiert ist. Derzeit wird die Handschrift in der Halle der Ersten Renaissance des Museums des Zentrums aufbewahrt.
Nach Einschätzung von Experten stammt das Dokument aus der Zeit des Osmanischen Reiches und ist in arabischer Sprache verfasst. Es dokumentiert die spirituelle Abstammungslinie (Shajara) der geistigen Meister des Ordens, die gemäß der sufischen Tradition auf den Propheten Mohammed zurückgeführt wird. In der Kette werden bekannte Theologen und Scheichs erwähnt, darunter Khwaja Ahrar, Yusuf Hakki und Khwaja-i Kalon, sowie geistliche Persönlichkeiten aus Bagdad und Buchara.
Der leitende wissenschaftliche Mitarbeiter des Zentrums der Islamischen Zivilisation, Khusrav Khamidov, wies darauf hin, dass sich der Naqschbandi-Orden durch die Praxis des „stillen Dhikr“ (Gedenken an Allah im Flüsterton oder im Stillen) und durch die aktive Teilnahme seiner Anhänger am gesellschaftlichen Leben auszeichnete.
„Die in arabischer Sprache verfasste Abstammungslinie beginnt mit Hasan Razoi Naqshbandi und führt zurück zum Gesandten Allahs – dem Propheten Muhammad. Danach folgen in der Handschrift Texte, die der Lehre des Ordens gewidmet sind. Das genaue Entstehungsdatum des Dokuments ist noch nicht ermittelt“, erklärte Khamidov.
Nach Aussage des Forschers zeigt die Repräsentation verschiedener Regionen in der Kette der spirituellen Meister die weite Verbreitung des Ordens außerhalb Zentralasiens während der osmanischen Periode, als sufische Bruderschaften eine bedeutende Rolle im gesellschaftlichen und politischen Leben der islamischen Welt spielten.
ℹ️ Das Zentrum der islamischen Zivilisation wurde in Taschkent neben dem Komplex Hast-Imam errichtet. Das Gebäude ist im Stil mittelalterlicher Architekturdenkmäler ausgeführt, mit vier Portalen von jeweils 34 Metern Höhe und einer zentralen Kuppel von 65 Metern. Hier sind ein Koran-Saal, ein Konferenzsaal mit 460 Plätzen und ein Museum eingerichtet, dessen Ausstellungen die gesamte Geschichte Usbekistans abdecken – von vorislamischen Zeiten bis zur Gegenwart. Das ZIZ soll zu einer Plattform für das Studium des Erbes der Vorfahren und dessen aktuelle Interpretation in Zusammenarbeit mit der Internationalen Islamischen Akademie Usbekistans sowie mit wissenschaftlich-aufklärerischen Zentren auf der ganzen Welt werden. Die Eröffnung des Zentrums ist für das Frühjahr 2026 geplant.



